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Bücher als Grundlage für eine Masterarbeit über Social Media?

3. August 2010

Mittlerweile lese ich drei Bücher gleichzeitig, Tamar Weinbergs Social Media Marketing, Stefan Berns/Dirk Henningsens Der Twitter-Faktor und Maike Luhmanns Heute schon gegruschelt?. Und da stellt sich, vor allem nach dem kurzen Anlesen von Luhmann, inwiefern Bücher bei der Recherche für eine wissenschaftliche Arbeit überhaupt noch zeitgemäß sind. Natürlich empfinden wir, selbst ich als „digital Native“, das gedruckte Buch noch als etwas seriöses, gute recherchiertes und durch einen Verlag kontrolliertes (also qualitativ hochwertiges) Dokument. Allerdings muss man angesichts des meines Forschungsfeldes sagen, dass ein Buch, wie das von Luhmann, aus 2006 vielleicht noch als historisches Dokument in Frage kommen kann, nicht aber mehr als zeitgemäße Abhandlung über das Phänomen StudiVZ.

Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, vor dem Lesen eines Buches genauere Informationen zum Autor und zum Buch selbst zu suchen; sehr wahrscheinlich (zumindest bei meiner Arbeit) wird der Autor eine eigene Seite, ein eigenes Blog oder einen Twitter-Account besitzen, über den man mehr herausfinden kann. Außerdem werden die Bücher möglicherweise auf einschlägigen Blogs besprochen – zur Not tut es auch die Amazon-Rezensions-Abteilung – und bewertet.

Das Erscheinungsjahr ist dabei ein wichtiges Kriterium für die Aktualität, nicht wie bei anderen Themen, über die man schreiben könnte. Bücher können die theoretische Basis zur Behandlung eines historischen Ereignisses sein, bei einem Thema wie meinem geraten sie aber schnell an ihre Grenzen. Zahlen sind veraltet, die technische Entwicklung ist weit voran geschritten (im Web 2.0 sind vier Jahre eine unglaublich, unglaublich, unglaublich lange Zeit) und auch die Nutzer der Netzwerke haben sich weiterentwickelt.

Zudem muss man in Büchern auch immer davon ausgehen, dass die Autoren ihr Werk ja verkaufen wollen. Gut, man könnte jetzt argumentieren, dass Blog-Betreiber (wenn überhaupt eine kommerzielle Absicht hinter der Seite steht) auch möglichst viele Leser erreichen wollen, um über wie auch immer geartete Werbung Geld zu verdienen. Allerdings fällt mir auf, dass in vielen der Bücher meist kein ausgewogenes Verhältnis von Vor- und Nachteilen beschrieben, sondern eher nach dem Prinzip vorgegangen wird:

Mach es wie wir, dann ist das Leben im Web 2.0, bei Twitter, bei Facebook, auf sozialen News-Seiten etc. toll und du wirst erfolgreich sein. Und dann kommt zum Schluss immer das ganz kleine, aber feine, aber… Aber das wird dich viel Blut, Schweiß und Tränen kosten und nicht mal eben so gehen, wie wir dir das ganze Buch über beschrieben haben.

Vor allem im Berns/Henningsen-Buch, dass sich mit der Benutzung von Twitter zur Profit-Verbesserung im Allgemeinen auseinandersetzt, scheinen die beiden Autoren ganz vernarrt und sein in das „neue“ Wunderwerkzeug Twitter. Kein negatives Wort (zumindest nicht auf den Seiten, die ich bisher gelesen habe), kein Warnung, dass man bei Twitter auch sehr viel Zeit mit Nichtigkeiten verbringen kann (was dem Profit nicht gerade nützt) oder das Twitter häufig daran krankt, dass man zu viele Informationen bekommen und deshalb die meisten im „Timeline“ nach unten gerutscht sind, bevor sie überhaupt gelesen werden konnten. Man muss dazu sagen, dass die beiden Autoren eine Agentur betreiben, die Unternehmen den Umgang mit Twitter näher bzw. beibringen soll. Da steckt natürlich auch hinter dem Buch eine klare, profitorientierte Absicht. Und so lässt sich auch die kontinuierliche Ausblendung von Negativbeispielen erklären.

Einzig Weinbergs Buch, die selbst auch als frei Beraterin in Sachen Social Media arbeitet, kommt etwas ausgewogener daher. Natürlich überwiegen auch hier die positiven Beispiele – man will ja nicht gleich jedem Interessierten den Wind aus den Segeln nehmen -, allerdings nennt Weinberg auch gern gemachte Fehler, die den Einstieg in das Social Media Marketing behindern können oder „den Schuss nach hinten los gehen lassen“, um es mal salopp zu formulieren.

Der Vorteil des Internets, seine Aktualität und Vielschichtigkeit, ist aber gleichzeitig natürlich auch ein Nachteil. Selbst in Blogs kann die Aussagen von heute schon morgen wieder nichtig sein (auch wenn der Fall eher selten eintritt). Und durch die schier endlosen Möglichkeiten der Recherche ergeben sich mit jedem neuen Post, Kommentar, Tweet oder News-Artikel meist wieder drei weitere Quellen, die beachtenswert sind und die Recherche schnell ins uferlose abdriften lassen. Mein del.icio.us-Account quillt nur deshalb nicht über, weil ich viele Links direkt als Bookmark auf dem Rechner speichere und nur die, meiner Meinung nach, auch für andere interessanten Links online sammele.

Erschwerend kommt hinzu, dass die genaue Materie (Öffentlichkeitsarbeit via Web 2.0 an Hochschulen) nur sehr selten behandelt wurde und ich somit Forschungsergebnisse anderer auf die Anwendbarkeit in meinem Fall untersuchen muss. Allerdings bringt das auch mit sich, dass ich mich mit meiner Arbeit in einem Feld etablieren könnte, das bisher nicht „beackert“ wurde.

Ich würde gerne meine Masterarbeit nur mit Quellen aus dem Internet schreiben, weiß jedoch auch, dass kein Professor (zumindest von denen, die ich kenne) so etwas absegnen würde und werde deshalb versuchen, eine ausgewogene theoretische Grundlage mit Hilfe der Bücher zu erstellen, um dann aktuelle Beispiele durch Zitate von Blogs etc. zu ergänzen.

Was meint ihr dazu? Braucht man (für ein Thema wie meins) überhaupt noch Bücher? Ist das zeitgemäß? Ist das wichtig? Wenn ja, warum, wenn nein, warum nicht?

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3 Kommentare leave one →
  1. 11. August 2010 09:45

    Meiner Meinung nach sollten immer Bücher als Quelle angegeben werden, natürlich nicht nur, aus dem Zeitalter sind wir wohl raus, aber ich habe auch immer wieder das Problem, dass einige Profs wohl noch nicht so weit sind, alle Quellen die man selbst für sinnvoll und wichtig hält auch offiziell zu akzeptieren. Ich habe auch schon sehr viel Research zu den thema gemacht, und leider sind wirklich die meisten Bücher zu alt um noch relevant zu sein, gerade wenn es um Social Media geht. Aber eine Seite hat mir sehr geholfen: http://socialmedia.dikri.de

    Das ist wohl eine Datenbank, die nur mit Quellen zu Social Media und allem was damit zu tun hat (social media marketing, seo, usw.) befüllt wird, es gibt glaube ich sogar die option sich zu registrieren und selbst Bücher hinzuzufügen. Als ich das letzte mal geschaut hab wars noch die beta version, die seite steht also noch am anfang, aber es gibt dort auch aktuelle studien und case studys, die dein prof vllt eher akzeptieren würde. Vllt hilft dir das ja 🙂

    • sebkom permalink*
      11. August 2010 09:48

      Dank dir vielmals für den Hinweis, ich werde mir die Seite mal anschauen. Ist übrigens immer noch ne Beta. 😉

      • klemensskibicki permalink
        28. August 2010 20:11

        wird auch noch ein bisschen Beta bleiben, aber mittlweile sind schon 700 QUellen eingepflegt. Gerne weitersagen!

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