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Wie werde ich ein Ju-Jutsu-Meister?

15. Juli 2010

Was ist der Unterschied zwischen einem amerikanischen und einem deutschen Buch? Das deutsche zeichnet Ideen auf, versucht diese zu belegen und gibt Hinweise, was man machen könnte. Das amerikanische sagt von Anfang an: „Wir sind die Profis, wir zeigen dir, wie es geht. Wir haben es zwar nicht erfunden, sind aber die Besten. Und nach dem Lesen dieses Buches wirst du es auch sein.“ Beide „Welten“ haben ihre Vorzüge – während das deutsche Buch abwägt, geht das amerikanische nach vorne und präsentiert Geschichten, die dem Leser die Errungenschaften und positiven Nebeneffekte (in meinem Fall des Web 2.0) eines Produkts, einer Idee aufzeigen.

In meinem Fall ist das amerikanische Buch, dass ich gerade begonnen habe zu lesen, Facebook, Youtube, Xing & Co von Charlene Li und Josh Bernoff. Der Untertitel verspricht dem Leser schon mal einiges, heißt er doch „Gewinnen mit Social Technologies“. Nach einer kurzen Einleitung und der Geschichte von Kevin Rose, dem Gründer von Digg, einer Seite, auf der die User selbst über die Wichtigkeit von Nachrichten abstimmen und in der es darum ging, dass der „Groundswell“, wie Li und Bernhoff es nennen (also die Masse der Internetnutzer) einen großen Konzern geschlagen haben, geht es gleich ans Eingemachte: In Kapitel zwei beschreiben die Autoren verschiedene Technologien des Web 2.0 und vergleichen diese mit der Kampfkunst Ju-Jutsu. Dabei wird die Energie des Gegners (aus Unternehmenssicht die User) benutzt, um ihn zu „schlagen“. Sprich: Je mehr Energie der Gegner bei seinem Angriff benutzt, desto härter wird der spätere Aufprall, nachdem ihn der Ju-Jutsu-Meister (ein Unternehmen, das die Regeln des Web 2.0 kennt und anwendet) geschlagen hat. Eine etwas archaische Beschreibung, wie ich finde, aber durchaus richtig. Wie Li und Bernoff richtig einschätzen, ist das Eintauchen, Benutzen un Verstehen der Methoden und Spielregeln des Web 2.0 enorm wichtig, um als Unternehmen darin bestehen zu können; vielleicht gar als „Sieger“ aus dem Kampf hervor zu gehen.

Im Kopf bleiben wird mir aber ein Satz, der im Unterkapitel „Das große Prinzip und die technologischen Elemente“ vorkommt. Li/Bernoff schreiben, wieder mit Bezug auf den Ju-Jutsu-Kämpfer: „Konzentrieren Sie sich auf die Beziehungen, nicht auf die Technologien.“ (S. 24.) Der entscheidende Punkt ist dabei nicht das Verstehen der Technologien, die ein Miteinander im Web möglich machen, sondern die Fähigkeit, diese Technologien zu nutzen, um einen Ort des Austausches, eine Community, zu kreieren.

Das heißt im Klartext: Es bringt nichts, wenn man für das Unternehmen ein Blog, einen facebook- oder myspace-Account einrichtet, nur um dann dort die PR-gestützten Nachrichten zu verbreiten. Die Leser, die User, wollten Interaktion, wollen sich und ihre Leitbilder einbringen und miteinander in Kontakt treten. Sie wollen merken, dass am anderen Enden (also auch auf Unternehmensseite) jemand sitzt, der das Prinzip verstanden hat und nicht einfach nur Presseinformationen über einen neuen Kanal verteilt.

Auf das Beispiel einer Hochschule bezogen heißt das, dass man mit den Studierenden und Studieninteressierten in Kontakt treten muss, um Meinungen bitten sollte und das Gespräch nicht nur ermöglichen, sondern suchen sollte. Kommentare, „Gefällt mir“-Buttons und Retweets bei Twitter sind nur einige Möglichkeiten, wie diese Kommunikation vonstatten gehen kann.

Bezeichnend ist der „Fall“ der Uni Münster zu nennen, mit denen ich über Twitter in Kontakt stehe. Vor etwas mehr als einem Jahr richtete die Hochschule eine eigene Seite bei facebook ein, zwei Monate später hatten sie bereits 100 „Fans“ (sprich User, denen die Seite „gefiel“ und die dadurch die aktuellen Meldungen, die die Uni über facebook vebreitete, in ihrem eigenen Newsfeed zu sehen bekamen). Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind bereits über 2.500 facebook-User „Fans“ der münsteraner Uni-Seite. Über Twitter stellte ich die Frage, wie sich so ein Zuwachs erklären ließe. Ich vermutet Rundmails an alle Uniangehörigen, Flyer-Aktionen auf dem Campus oder Ähnliches. Allerdings wurde ich eines Besseren belehrt: die Mitglieder der Uni-Seite waren nur über facebook selbst, und, wie mir gesagt wurde, „Hauptsächlich durch regelmäßige, interessante und vor allem zielgruppengerechte Nachrichten“. Die Facebook-Seite ist also eine nicht zu unterschätzende Größe in der (hauptsächlich wohl) internen Kommunikation, 2.500 Menschen, die immer mit den neusten Nachrichten versorgt werden, sind schon eine Hausnummer. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Zahl schon jetzt etwas mehr als sechs Prozent der Studierenden (ca. 36.000) und Mitarbeiter (ca. 5.000) der Uni Münster (laut wikipedia) bedeuten würde.

Ein anderer interessanter Punkt bei Li/Bernhoff ist: Ähnlich wie schon Liebig, weisen sie darauf hin, dass bei der Benutzung von Mitarbeiter- (an einer Hochschule auch Studierenden-)Blogs unbedingt ein Codex, also eine Art von AGBs, für die Publikationen verwendet werden sollte.

Zudem kann es von Vorteil sein, auf vielen Kanälen zu senden, also in Schriftform, als Podcast und mit Hilfe von Video, bspw. bei youtube. Immerhin 16 Prozent der Deutschen nutzen das Videoportal regelmäßig, in der Zielgruppe der Hochschulen (18-25 Jahre) wird die Prozentzahl ungleich höher sein. Crossmedia, ein meiner Meinung nach mittlerweile überflüssiges Wort, wird in diesem Zusammenhang oft genannt.

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